Der Schlüssel zur Selbstorganisation im Studium, Teil 1

Der Schlüssel zur Selbstorganisation im Studium, Teil 1

Es ist Montag morgen. Der Wecker zeigt 08:00 Uhr. Es steht ein neuer Tag deines Studiums an. Zwei Präsensvorlesungen und eine Onlinevorlesung stehen auf dem Terminplan. Die erste Vorlesung ist um 10:00 Uhr. Du kannst dich also noch genau 1 Stunde und 49 Minuten hinlegen. Mit 11 Minuten übrig entfesselt der Zeitdruck deine größte stärke: Die Erledigung sämtlicher Aufgaben des Tages in 11 kurzen Momenten.

Zähneputzen, Haare machen, Anziehen, Studentenbude aufräumen, Unterlagen für den Tag bereitlegen, Dateien auf dem Laptop sortieren, den Bafoeg-Antrag ausfüllen, die U-Bahn zur Uni erwischen, die Software zur semi-erlaubten Aufnahme der Onlinevorlesungen vorbereiten und die Welt retten. Das ist alles sehr viel für diesen kurzen Moment, aber du bist dir sicher: Später wird alles besser.

Nach der ersten Vorlesung gehst du nach Hause oder in die Mensa für einen kurzen Snack. Schließlich hat es alle Willenskraft die du hast gefordert überhaupt in die Vorlesung zu gehen. Da ist eine stärkung unbedingt nötig.

Die zweite Vorlesung geht noch gut klar, schließlich hast du 3 Energy Drinks und 2 Thermoskannen Kaffee dabei. Ein kurzes Gespräch mit den Kommilitonen und ab geht es nach Hause.

Deine Onlinevorlesungen laufen immer genauso ab. Das Bett ist natürlich bequemer als die Stühle in der Uni, was gleich zweierlei Vorteile bringt. Zum einen kannst du nach der Vorlesung gleich weiterschlafen. Auf der anderen Seite kannst du die wertvolle Zeit während der Vorlesung nutzen um den wichtigen Schlaf nachzuholen, der dir so dringend fehlt.

Schließlich ist dein Terminkalender voll! Keine Zeit für ein Telefonat mit den Eltern. Keine Zeit für deine Freunde aus der Heimat. Das Studium fordert dir alles ab. Immerhin studierst du einen der schwersten Studiengänge überhaupt. Es gibt schon freie Minuten, hier und da. Aber da bist du immer so Müde. Irgendwie bist du ständig Müde. Ist ja auch anstrengend. Später wird alles besser. Also nach dem Studium.  Irgendwann.

Wenn du dir die Geschichten deiner Mitstudenten anhörst, lauschst du den Erzählungen immer sehr gespannt. Es ist nämlich so, dass kein Student wirklich lernt. Die schreiben alle gute Noten ohne einen Strich zu tun. Superintelligent wahrscheinlich. Ist aber auf Instagram auch so. Dort sehen die Menschen einfach gut aus, ohne etwas dafür zu tun. Weil niemand lernen muss, ist auch immer Zeit für Studentenpartys. Du kannst dich zwar an keine Party erinnern und von deinen Noten wollen wir garnicht reden, aber immerhin hast du viel zu tun. Viel mehr als die anderen. Die müssen vermutlich nicht Arbeiten. Bekommen vermutlich alles bezahlt. Es ist hart aber du bist dir sicher, später wird alles besser.

Noch zwei Wochen bis zur Prüfung. Das ganze Semester lang war dein Terminplan voll mit Vorlesungen und geblockten Lernsessions.  Seltsam, dass dir trotzdem kein Themengebiet des Klausurenstoffs bekannt vor kommt. Aber immerhin warst du Wochenlang sehr produktiv. Dir kann niemand vorwerfen du hättest nicht alles getan. Gestresst bist du immer, weil du so viel zu tun hast. Diese eine Prüfungsphase noch, dann wird es leichter. Das nächste mal beginnst du noch früher. Das nächste mal strengst du dich noch mehr an. Das nächste mal wird alles besser.

Es ist Montag morgen. Der erste Tag eines neuen Semesters. Der Wecker zeigt 08:00 Uhr. Es steht ein neuer Tag deines Studiums an. Zwei Präsensvorlesungen und eine Onlinevorlesung stehen auf dem Terminplan. Dieses Mal wird alles besser. Aber wie? Google.

Du bist ein Ass in der Recherche. Wenn es nicht gerade um Themen für dein Studium geht, kannst du Stundenlang über jedes erdenkliche Thema recherchieren. So auch dieses Mal, wenn du in die Suchmaschiene deiner Wahl die unschuldigen Begriffe “Selbstorganisation im Studium” eintippst. Heute ist keine Zeit für Vorlesungen. Dieser eine Tag wird alles verändern. Viel zu wichtig ist deine Suche nach neuem Wissen, als dass du dich um so etwas wie Vorlesungen kümmern könntest. Noch zwei Videos über Selbstorganisation schauen und dann wird alles besser. Da gibt es dieses eine Buch, welches alle empfehlen. Die Kritiken auf Amazon sind sehr gespalten, aber 7 von 10 YouTube Videos empfehlen das Buch. Am Ende des Tages hast du nichts für das Studium gemacht. Aber das ist okay, du warst produktiv. Morgen wird alles besser.

Als du dich am nächsten Morgen schlaftrunken in die Uni schleppst, findest du einen kleinen gelben, leicht verdreckten, Notizblock am Boden. Es sieht als, als würde dieser Block noch nicht lange hier liegen. Vielleicht eine Nacht. Vermutlich wurde dieser kleine unschuldige Block gestern von einem betrunkenen Studenten aus der Nachbarschaft verloren.

Liegenlassen ist keine Option. Viel zu groß ist deine Neugierde, welche Gedanken der Vorbesitzer wohl auf die kurzen gelben Seiten gekritzelt haben mag. Du entdeckst die charakteristischen verblassenden Umrisse von Buchstaben, welche mit Bleistift vor nicht all zu langer Zeit niedergeschrieben wurden.

Auf der ersten Seite erkennst du eine Überschrift, unterstrichen und etwas dicker aufgetragen, mittig und leicht schief auf dem gelben Papier. “Der Schlüssel zur Selbstorganisation”. Unter der Überschrift ist eine kleine Skizze eines Schlüssels. Du blätterst auf die nächste Seite und beginnst zu lesen.

Organisation im Studium, Seite 1: Parkinsons Law

Work expands so as to fill the time available for its completion.

Es gibt immer zu viel Arbeit. Zu viel Termine, zu viele Aufgaben, zu viel zu tun. Die Aufgaben, die wir haben, werden immer all die Zeit brauchen, die wir ihnen zugestehen. Unter Druck vollbringen wir Meisterwerke in kürzester Zeit. Trotzdem fühlen wir uns schlecht dabei, weil die Deadlines nicht unsere eigenen sind. Wir geben uns zu viel Zeit um zu prokrastinieren. Im nachhinein reden wir uns ein, wir hätten den Druck gebraucht. So verschwenden wir kostbare Zeit mit dem Warten auf Deadlines, die nicht unsere eigenen sind. Die Lösung ist einfach: Setze dir eigene Deadlines. Am Anfang wird es schwierig sein, deine Leistung richtig einschätzen zu können. Wir haben verlernt uns selbst einzuschätzen, weil wir uns auf die Zeitplanung anderer verlassen haben. Denke nicht zu viel darüber nach, wie viel Zeit du dir gibst. Halte die Deadlines kurz, fang einfach an, korrigiere dich danach. Je öfter du das machst, desto besser wirst du darin werden.

Das erinnert dich an deine letzte Klausurenphase. Den Stoff des ganzen Semesters in 4 Tagen gelernt. Die Professoren halten das natürlich für unmöglich, aber die wissen ja auch nicht, welche Energie in dir erstmal erwacht, wenn der Abgabetermin kurz bevor steht. Du könntest ja fast auf die Idee kommen, dass es sich mehr lohnt, immer erst kurz vor den Prüfungen mit dem Lernen zu beginnen. Arbeit nimmt also immer genau die Zeit ein, welche du dir dafür nimmst. Hast du wenig Zeit und viel Arbeit, schrumpft die tatsächliche Zeit, welche du für deine Arbeit benötigst. Das nächste Mal setzt du dir bestimmt selbst eine kurze Frist.

Du blätterst weiter auf die nächste Seite. Dort steht als Überschrift nur ein Wort. Schlaf. Das ist gut, denkst du dir. Schlafen kannst du. Schlafen tust du gerne. Was soll es schon geben, was du über Schlaf nicht weißt?

Organisation im Studium, Seite 2: Schlaf

O sleep, O gentle sleep, nature’s soft nurse, how have I frighted thee, that thou no more wilt weigh my eyelids down, and steep my senses in forgetfulness.

Im Schlaf verarbeiten wir die Erfahrungen des Tages. Es ist wichtig für den Lernprozess, für unser Wohlbefinden und für die Gesundheit, gut zu schlafen. Einfach ist dies jedoch nicht, mit all den Ablenkungen in unserem Leben, welche uns abhalten uns wirklich zu erholen. Die Regeln für guten Schlaf sind einfach. (1) Schlafe 7-9 Stunden, jeden Tag gleich lange. (2) Gehe immer zur gleichen Zeit ins Bett und stehe zur gleichen Zeit auf. (3) Schlafe in dem Licht, in welchen du dich wohlfühlst, aber bevorzuge die Dunkelheit. (4) Sorge für Stille. (5) Verzichte 30 Minuten vor dem Schlaf auf blaues Licht von Bildschirmen. (6) Verzichte auf Koffein nachmittags und abends. (7) Tägliche körperliche Aktivität ist wichtig, aber vermeide schweres Training unmittelbar vor dem Zubettgehen. (8) Entspannungstechniken können helfen, den Körper und Geist zu entspannen.

Natürlich weißt du das alles schon. Ist ja nichts Neues, dass man genug schlafen soll. Irgendwie klingt das für dich fast zu einfach. Du beschließt es einfach zu versuchen. Bereits nach einer Woche merkst du, wie du dich stärker, fitter, klüger und selbstbewusster fühlst.

Schlafen ist kein Problem, denkst du dir. Eine der einfacheren Übungen. Gespannt blätterst du um, mit den Gedanken daran, was dich wohl auf der nächsten Seite erwarten wird.

Organisation im Studium, Seite 3: Das wichtigste zuerst

Most of us spend too much time on what is urgent and not enough time on what is important.

Jeden Tag wachen wir mit vielen dringenden Dingen in unseren Gedanken auf. So viele Aufgaben müssen erledigt werden. Unser Hirn ist zugekleistert mit vielen kleinen Details. Dabei vergessen wir oft das dringende vom wichtigen zu unterscheiden. Wenn du morgens aufwachst, solltest du zuerst deinen Tag planen. Stelle dir die Frage, was die eine Sache ist, welche du heute erledigen möchtest. Nur eine. Was kannst du heute tun, damit du Abends zufrieden ins Bett gehen kannst. Was ist den Ziel für heute? Wenn du in einigen Wochen, Monaten oder Jahren auf diesen Tag zurückblickst, was kannst du heute tun, auf was du später stolz sein kannst? Die Frage nach dem wirklich wichtigen ist nicht einfach. Um so größer ist die Belohnung, wenn du die Antwort für dich gefunden hast. Schreibe dir dein Ziel auf. Ein Tag, ein Ziel.

Du merkst schnell, dass es gar nicht so einfach ist, das wichtigste Ziel eines Tages zu bestimmen. Oft sind Aufgaben viel zu groß, um sie an einem Tag abzuschließen. Nach kurzem Nachdenken merkst du, dass sich auch diese großen Aufgaben in kleine Zwischenziele teilen lassen. Auch ein kleines Zwischenziel bringt dich weiter.

Das ist ja alles schön und gut, denkst du dir. Aber wie kannst du diese Tipps denn einhalten? Dir fällt es ja schon schwer morgens das Zähneputzen nicht zu vergessen. Du schaust den Notizblock an  und hoffst eine Antwort darauf auf der nächsten Seite zu finden. Wie es der Zufall will, entdeckst du genau das.

Organisation im Studium, Seite 4: Routine und Gewohnheit

Motivation is what gets you started. Habit is what keeps you going.”

Motivation zu bekommen ist einfach. Ein gutes Buch oder ein Film kann dir diesen Energieschub geben. Motivation alleine ist jedoch nicht relevant. Wie lange sie anhält, ist entscheidend. Leider bleibt die Motivation nie lange. Erst wenn die Taten durch Routine Gewohnheit werden, zahlt sich die Anstrengung aus. Entwickle eine Routine mit fester Zeit und festem Inhalt. Zwinge dich dazu, mindestens 30 Tage diesem Plan zu folgen. Wenn du danach nicht damit zufrieden bist, dann darfst du ihn ändern.

Du schaust von dem gelben, leicht verdreckten Notizblock auf und denkst über die Routinen in deinem Leben nach. Was machst du regelmäßig? Welche Dinge belasten dich Tag für Tag? Vielleicht ist es Zeit diesen Aufgaben einen festen Platz in deinem Leben zu geben.

Für heute hast du genug gelesen, denkst du dir. Es braucht Zeit und guten Schlaf um das gelernte zu verarbeiten. Außerdem bist du mittlerweile an der Uni angekommen. Ab morgen wirst du dein neues Wissen umsetzen. Denn morgen, da wird alles besser.

 

 

Titelbild: Photo by Oladimeji Ajegbile from Pexels

 

 

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