Lernen fürs Informatikstudium (Teil 3)

Lernen fürs Informatikstudium (Teil 3)

Willkommen zum Teil 3 dieser Artikelserie. Wenn du die letzten beiden Teile noch nicht gelesen hast, ist hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung für dich:

Teil 1: Lernen fürs Informatikstudium (Teil 1)

Auch ich war in der gleichen Situation wie du. Frisch aus der Schule und neu im Informatikstudium. Die Umstellung vom Lernen für die Schule und dem Lernen fürs Studium ist nicht für alle ein Kinderspiel. Schnell habe ich gemerkt, dass hier andere Lernstrategien wichtig sind. In Teil 1 dieser Artikelserie erkläre ich dir die Unterschiede und Voraussetzungen für das effiziente Lernen für dein Studium. Außerdem erfährst du, wie du dir innerhalb von 60 Minuten einen Überblick über ein ganzes Fach verschaffst.

Teil 2: Lernen fürs Informatikstudium (Teil 2)

Schlaf ist wichtig fürs Lernen. Deswegen erkläre ich dir in Teil 2 wie sich Schlaf auf deine Leistung auswirkt und wie du diese verbessern kannst. Neben Schlaf ist natürlich auch eine gute Ernährung wichtig. Was aber einen noch größeren Einfluss auf deinen Erfolg hat, ist das richtige Lernmaterial. Wie wichtig Altklausuren sind und woher du diese bekommst, wird dir in dem Artikel auch erklärt. Zuletzt zeige ich dir noch wie du dir die richtigen Ziele setzt.

Teil 3:

In Teil drei werde ich dir weitere Lernmethoden vorstellen. Dazu gehört selbst verständlich das bekannte Pareto-Prinzip. Auch die Pomodoro Technik hilft dir viel Produktiver zu sein. Und, wenn es mal einfach ums Auswendiglernen geht, kann die Loci-Methode wahre Wunder vollbringen.

Bereit? Dann gehts los!

Kapitel 7 – Pareto-Prinzip

Schon mal von dem Pareto-Prinzip gehört? In diesem Kapitel erkläre ich dir wie du dir dieses Prinzip für dein Studium zunutze machst!

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es viel mehr Aufwand kostet…

…von einer 2.0auf eine 1.0 zu kommen, als von einer 5.0 auf eine 4.0?

…von einer 1.5 auf eine 1.0 zu kommen, als von einer 3.0 auf eine 2.0?

 

Lernen fürs Informatikstudium (Teil 3)
Bildautor: Mouad Gaamouch | www.pexels.com/@mouad-gaamouch-55591

 

Der italienische Ingenieur, Soziologe und Ökonom Vilfredo Pareto hat 1906 untersuchte, wie das Vermögen in Italien verteilt war. Dabei fand er herraus, dass 80 Prozent des Vermögens auf 20 Prozent der Bevölkerung verteilt war.

Diese Verteilung wurde unter dem Namen 80/20 Prinzip oder auch Pareto Prinzip bekannt. Es besagt, dass mit 20% des Aufwandes 80% des Ertrags generiert werden kann. Die restlichen 20% benötigen im Umkehrschluss allerdings 80% des Aufwandes.

Bis heute hat sich dieses Prinzip in verschiedenen Bereichen bewährt. Man weiß also, dass 80 Prozent des Erfolgs von entscheidenen Schlüsselfaktoren abhängt.

Schluss mit dem Perfektionismus

Wir erreichen mehr, wenn wir damit beginnen uns von dem Glauben an Perfektion zu lösen.

Dies erklärt auch das Phänomen, dass deine Studienkollegen oft viel weniger lernen müssen als du. Vielleicht haben die aus Zufall die richtigen 20% gelernt. Oder haben instinktiv gelernt wie man die 20% erkennt.

Du musst diese wichtigen Schlüsselfaktoren finden und deren Hebelwirkung für dich nutzen.

Wann solltest du die 20/80 Regel anwenden? Immer dann, wenn du das Gefühl hast zu wenig Zeit für deine Aufgaben zu haben.

Du musst die Prüfung bestehen aber hast keine Zeit mehr den ganzen Stoff zu lernen? Pareto-Prinzip nutzen!

Du musst eine Hausarbeit abgeben und fühlst dich überfordert so viel Text in so wenig Zeit zu schreiben? Pareto-Prinzip nutzen!

Wie kannst du das Pareto-Prinzip für dich nutzen?

Die meisten Texte, welche dir vom Pareto-Prinzip erzählen, erklären dir nicht wie du die Technik aktiv für dich benutzt.

Warum? Weil es nicht ganz leicht ist die wichtigsten Faktoren, welche für 80% deines Erfolges zuständig sind, zu finden.

Da dies hier ein Blog ist, welcher sich an Informatik-Studenten richtet, kann ich dir hier erzählen wie du das Prinzip erfolgreich im Informatikstudium anwendest.

Wenn du als Studienanfänger Studenten in höheren Semestern fragst, wie du am besten lernen kannst, ist die Antwort eindeutig: Altklausuren lösen.

Warum? Pareto-Prinzip.

In einem Kurs werden dir oft viele Sachen bei gebracht. Dies ist gut, denn du willst im Studium ja auch eine Menge lernen. Aber für die Klausur ist oft nicht alles gleich wichtig.

Manche Themen bringen in der Klausur nur wenig Punkte. Oder kommen sogar gar nicht erst in der Klausur vor!

Es gilt diese Themen zu identifizieren.

Dafür gibt es einige Möglichkeiten.

Wie du die 20% erkennst

– Professor fragen

Du kannst zum Beispiel deinen Professor fragen welche Themen er für die Klausur ausschließt.

Dies ist ein guter Anfang. Leider wollen viele Professoren nicht verraten was genau in der Klausur dran kommt und was nicht. Denn aus deren Sicht sollst du ja alles lernen. Schließlich sind diese Menschen nicht umsonst Professoren in einem bestimmten Thema. Das Themengebiet, welches sie unterrichten, gefällt ihnen oft besonders gut. Deswegen solltest du aus ihrer Sicht diesem Thema besonders viel Aufmerksamkeit widmen.

Unterm Strich ist dies auch gut so. Dadurch, dass wir von Experten unterrichtet werden, bekommen wir sehr viel Wissen komprimiert angeeignet, welches sich diese Leute im Laufe ihres Lebens umfangreich erarbeiten mussten.

Aber dennoch gilt der Fakt: Du hast oft viel zu viel tun um jedes Detail eines Themas oder Kurses perfekt zu lernen.

Also muss man Mut zur Lücke haben.

Was tun, wenn die Professoren dir nicht die Informationen geben, die du gerne haben möchtest?

– Tutor fragen

Kein Problem, es gibt noch andere Möglichkeiten als Vorlesungen. Zum Beispiel Tutoren.

Tutoren werden oft eingesetzt, um Übungen zu leiten. Diese haben meist diese spezielle Klausur schon geschrieben und haben engen Kontakt mit dem Professor. In manchen Unis werden diese Tutoren auch als Assistenten der Professor betitelt.

Stelle Kontakt zu diesen Leuten her und versuche Informationen über die Klausur herauszufinden. Vielleicht möchte dir auch jemand für einen kleinen Betrag Nachhilfe geben. Dann kannst du ihn noch besser über die bevorstehende Klausur ausfragen!

Nicht geklappt? Kein Problem, es gibt noch weitere Möglichkeiten.

Als Nächstes solltest du Studenten von höheren Semestern fragen. Die Leute, die diese Klausur wahrscheinlich schon geschrieben haben.

Die können dir sicherlich sagen wie die Klausur aufgebaut ist und welche Themen am häufigsten behandelt werden.

Aber aufgepasst! Verlasse dich nicht blind auf diese Informationen.

 

 

– Altklausuren lösen

Jetzt zum letzten und wichtigsten Schritt. Altklausuren.

Ich habe es weiter oben schon erwähnt. Das ist der Nr. 1 Tipp, den dir jeder Student gibt, der schon ein paar Semester hinter sich hat. Du musst Altklausuren machen.

Frag Kollegen, Tutoren und in deiner Fachschaft nach Altklausuren. Durchsuche das Internet und Foren nach Altklausuren deiner Universität. Um so größer und bekannter deine Hochschule ist, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit hier etwas zu finden.

Mach dann diese Altklausuren auf Zeit. Keine Angst, wenn du die Klausur nicht gleich “bestehst”. Dafür hast du dir diese ja besorgt: Um zu üben.

Schau dir die Themen, welche dort vorkommen, genau an. Sollten die Punkte dabei stehen, dann schau dir auch genau an auf welche Themen es am meisten Punkte gibt.

Ordne die Themen jetzt nach Wichtigkeit, so gut du kannst. Verbringe hiermit ruhig einige Stunden, denn dieser “Schlachtplan” ist enorm wichtig für dich.

Danach fängst du an nach diesem Schlachtplan zu lernen. Versuche die Themen, welche am meisten Punkte geben, als Erstes zu verstehen.

Kapitel 8 – Die Pomodoro Technik

Lernen fürs Informatikstudium (Teil 3)
Bildautor: monicore | www.pexels.com/@monicore

Kennst du diese kleinen Tomaten-Zeitschaltuhren die vielleicht von deiner Mutter oder deiner Oma beim Backen verwendet werden?

Genau von solchen Zeitschaltuhren stammt der Name der Pomodoro Technik.

Diese Technik ist ein weit verbreitetes Produktivitätswerkzeug. Sie kann dir helfen bestimmte Tasks, also Aufgaben, in kurzer Zeit zu erledigen.

Bestimmt hast du schon oft Aufgaben vor dir hergeschoben. Das Lernen zum Beispiel. Weil du genau gewusst hast: Wenn du damit anfängst, musst du es durchziehen. Keine Pause. Einfach durcharbeiten.

Das hat aber dann dazu geführt, dass du gar nicht erst angefangen hast.

Sinnvoller ist es sich für eine Aufgabe eine Zeit zu setzen. Nach dieser Zeit gibt es dann eine kleine Pause. Genau nach diesem Prinzip geht die Pomodoro Technik vor.

Ein weiterer Vorteil ist, dass dieses Werkzeug sehr einfach zu erledigen ist.

Alles, was du dazu brauchst, ist ein Timer. Das kann eine Tomatenuhr sein aber auch ein Countdown auf deinem Smartphone.

Pomodoro Technik – Ausführung

Lernen fürs Informatikstudium (Teil 3)
Bildautor: Mike | https://www.pexels.com/@mike-468229

Schritt 1 – Wähle eine Aufgabe

Als Erstes musst du eine Aufgabe fest legen. Du kannst diese nach der bereits gelernten SMART-Technik wählen. Wichtig ist, dass die Aufgabe sich in 25 Minuten erledigen lässt. Wenn nicht, dann teile die Aufgabe in Teilaufgaben auf.

Schritt 2 – Stelle den Timer

Stell nun den Timer auf genau 25 Minuten. Wenn du die Aufgabe in den 25 Minuten nicht schaffst, dann teile die Aufgabe das nächste Mal in kleinere Teilaufgaben.

Schritt 3 – Arbeite an der Aufgabe

Arbeite jetzt 25 Minuten konzentriert an der Aufgabe. Lass dich in dieser Zeit nicht ablenken. Es sind nur 25 Minuten, in welchen du arbeiten musst. Diese Zeit darf nicht unterbrochen werden. Wenn du unterbrochen wirst, springe zurück zu Schritt 2.

Schritt 4 – Mach eine Pause

Mache jetzt eine Pause von genau 5 Minuten. Am besten du stellst dir auch hierfür einen Timer. Wichtig: In diesen 5 Minuten solltest du nicht weiter arbeiten. Steh auf und bewege dich ein bisschen. Dies ist auch die ideale Gelegenheit dir einen Kaffee zu machen.

Male dir außerdem eine kleine Tomate auf ein Papier. Aber nur wenn du die 25 Minuten ununterbrochen gearbeitet hast.

Schritt 5 – Lange Pause

Wenn du 4 Tomaten auf deinem Papier hast, dann darfst du dir jetzt eine längere Pause gönnen.

Eine gute Zeit sind 15-35 Minuten.

 

Kapitel 9 – Die Loci-Methode. Sich Dinge merken wie Sherlock Homes.

Oder: Wie du dir deinen eigenen Gedächtnispalast baust

Lernen fürs Informatikstudium (Teil 3)
Bildautor: Lukas Hartmann | www.pexels.com/@lukas-hartmann-304281

Eine weitere gute Lernmethode ist die Loci-Methode. In dieser Methode dreht es sich darum Fakten an bestimmte Details in der Realität oder einen vorgestellten Ort zu binden.

Klingt kompliziert? Kein Problem, hier die ausführlichere Erklärung:

Unser Gehirn arbeitet am besten, wenn Informationen mit verschiedenen Sinneseindrücken verknüpft gespeichert werden. Wen du dir zum Beispiel eine Zahlenfolge merken möchtest, kann es sinnvoll sein jede Zahl einen Körperteil zuzuweisen.

4 -> Linkes Bein

8 -> Rechtes Bein

1 -> Linker Arm

4 -> Rechter Arm

Wenn du die Zahlen jetzt der Reihenfolge nach aufzählst, dann stell dir die jeweiligen Körperteile vor. Damit nutzt du deine Vorstellungskraft, um nicht-merkwürdigen Informationen merkwürdige Eigenschaften hinzuzufügen.

Verbessern kannst du das, wenn du dazu deine Beine und Arme mit der Hand kurz berührst, wenn du die Zahlen sagst. Dann benutzt du zusätzlich deinen Tastsinn.

Die Loci-Methode funktioniert ähnlich. Wenn du dir viele Fakten merken musst, stell dir einen Ort oder einen Weg vor den du aus der Realität kennst. Zum Beispiel deinen Weg zur Uni.

Wichtig dabei: Der Weg muss viele Details aufweisen.

Weise in Gedanken jetzt jedem Detail, zum Beispiel bestimmten Häusern, Postkästen oder Gartenzäunen jeweils Fakten zu, die du auswendig lernen musst.

Jetzt kannst du, wenn du die Informationen abrufen möchtest einfach an die jeweiligen Orte und Details denken. Dein Hirn verknüpft automatisch die Orte mit den Fakten.

Allerdings musst du diese Methode einige Zeit üben, damit sie wirklich gut funktioniert.

Der Gedächtnispalast

Der Gedächtnispalast ist eine spezielle Art der Loci-Methode. Besonders Erwähnung findet diese Methode in den letzten Sherlock Holmes Episoden.

Anstatt dir einen realen Ort oder Weg vorzustellen, erarbeitest du dir einen virtuellen Palast. Du musst oft daran denken und dir den Palast in allen Details bildlich vorstellen. Dabei muss es nicht unbedingt ein Palast sein. Auch andere große Orte sind in Ordnung. Dies erfordert aber viel Durchhaltevermögen. Denn bis du dir deinen Palast gut vorstellen kannst braucht es viel Übung.

Wenn du genug Übung hast, lohnt es sich aber. Du kannst jetzt an beliebig vielen Orten in deinem Gedächtnispalast Fakten und Informationen anbringen. In Kisten verstecken oder auf Papier schreiben, welches auf von dir erdachten Schreibtischen liegt.

Diese Methode hat aber eine höhere Einstiegshürde und es ist empfohlen erst mit realen Orten zu beginnen.

 

Titelbild von Cristian Dina | https://www.pexels.com/@cristian-dina-924373

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